Outfit of the day: Sonntagsstaat einer wohlhabenden Stadtbürgerin

Heute kommt der nächste Teil unserer „Outfit of the day“ Reihe. Diesmal zeigen wir den Sonntagsstaat einer wohlhabenden Stadtbürgerin.

Bei der Suche nach einer schlüssigen Darstellung bin ich meiner Neigung zum Sticken gefolgt und stelle nun eine wohlhabende (Seiden)Stickerin aus Köln um 1290-1300 dar. Da sich die Darstellung an der wohlhabenden bürgerlichen Schicht orientiert, musste ein angemessener Sonntagsstaat her, den ich heute zeigen möchte.

 

Kleid mit Überkleid

 

 

Das Outfit besteht aus einer Kombination aus einem blauen Kleid mit Knopfverzierungen an den Ärmelenden und einem roten, ärmellosen Überkleid. Beide Kleider sind überlang und nach dem Schnitt des Kleid der heiligen Elisabeth rekonstruiert.
Gürtel und Beutel (siehe unten) werden auf dem Kleid, also hier unsichtbar unter dem Überkleid getragen.
Ich bemühe mich gerne, mit dem Überkleid die modische Pose mit gerafftem Rock – wie man es auf vielen Abbildungen sieht – einzunehmen.

Figuren am Freiburger Münster, spätes 13. Jahrhundert

Figur am Straßburger Münster, Mitte 13. Jahrhundert

Abbildung aus dem Les Très Riches Heures de Metz, um 1300

Abbildung um 1300

Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert

 

Eine Sammlung von Quellen für das daruntergetragene Kleid findet ihr hier

 

Schleier

Als Kopfbedeckung trage ich vorzugsweise einen mehrteiligen Schleier, bestehend aus Gebende, Rise und Schleiertuch. Wir haben in letzter Zeit mit verschiedenen Versionen von Schleiertüchern experimentiert: Das Tuch ist hier halbrund zugeschnitten, wobei die gerade Seite bei dieser Version vorne getragen wird. So wird ein weniger faltenreicher Wurf erzeugt, als wenn die halbrunde Seite vorne liegt.

Vergleich:
Abbildung der Eleanor de Quincy, spätes 13. Jahrhundert
 (wenig faltenreicher Wurf)

Madonna aus dem 13. Jahrhundert (faltenreicherer Wurf)

 

Fürspan

Fürspan

Der hier gezeigte Fürspan basiert auf der Plastik der Synagoge am Bamberger Dom und ist aus emailliertem Messing hergestellt.
Bei der Recherche zu diesem Beitrag habe ich festgestellt, wie wenige Belege es eigentlich zu der Version Überkleid+Fürspan gibt, wie ich sie hier trage. Weitaus geläufiger scheint um 1300 schon der unverzierte Halsausschnitt, bzw. Verschluss mit 3-4 Knöpfen.

Figur am Bamberger Dom aus dem 13. Jahrhundert

 

Reich verzierter Gürtel mit kleinem Reliquienbeutel

 

 

Die Vorlage für das Gürtelblech sowie die sternförmigen Verzierungen (auf dem linken Bild noch nicht montiert) stammen aus den Funden des Londoner Hafenbeckens. Das Endstück habe ich ebenfalls mit dem Muster des Gürtelblechs verziert. Alle Verzierungen wurden aus Messing gefertigt
Mehr Informationen dazu finden sich in:
Geoff Egan, Frances Pritchard: Dress accessories 1150-1450. Medieval finds from excavations in London.
Der Gürtelriemen besteht aus 2,7 mm dickem, vegetabil gegerbtem Rindsleder, das mithilfe einer Eisenfärbung schwarz gefärbt wurde.

Der Reliquienbeutel ist etwa 10X5 cm groß und vollständig mit Seidengarn bestickt (zweierlei Krapp, Waid und Reseda) und mit weißer Seide gefüttert.

 

Jungfrau am Straßburger Münster, 13. Jahrhundert

Figuren an der Kathedrale in Reims, 13. Jahrhundert

Figur am Freiburger Münster

Beutel um 1300

Bestickter Beutel um 1300

 

Schuhe

Schuhe

Die Schuhe sind aus Rindsleder (Sohle) und Hirschleder (Oberleder) gemacht. Hirschleder kommt deutlich seltener als Rind oder Ziege in den Fundgütern vor, wurde vereinzelt aber genutzt. Auf dem Bild schwer zu erkennen: Die Spitze des Schuhs ist in modischer Manier bereits leicht angespitzt und somit nicht mehr in der überwiegend runden Form des 13. Jahrhunderts.

Rudolf von Habsburg im Dom von Speyer

Abbildung, Mitte 13. JahrhundertAbbildung, Mitte 13. Jahrhundert

 

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