Ist das Feuer echt? – Besucherfragen und wie wir ihnen begegnen sollten.

„Ist das Feuer echt?“ „Essen Sie das wirklich?“ „Sind Sie eine Nonne?“ „Ist das ein echtes Schwert?“

Ja manche Besucherfragen können auf den ersten Blick etwas seltsam sein und machen den Gesprächseinstieg auch für Darsteller nicht immer einfach. Doch manchmal hat man das Gefühl, dass es zum Sport geworden ist die „blödesten“ Besucherfragen zu sammeln und sich gegenseitig damit zu übertrumpfen, wer den „dümmsten“ Besucher getroffen hat.

Das finden wir schade, denn die meisten Besucher möchten einfach nur ins Gespräch kommen.

Natürlich ist es nicht immer einfach, wenn man mit Menschen „arbeitet“. Das weiß wohl jeder, der in seinem Job irgendwann mal mit Kunden zu tun hatte, oder sich an irgendwelchen sozialen Aktivitäten beteiligt. Wo viele Menschen sind, sind viele verschiedene Charaktere und man befindet sich nicht mit allen auf einer Wellenlänge.

Oft genug reagieren Menschen so, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Es ist jedoch zu bedenken, dass vielen Leuten unser Hobby nicht in allen seinen Nuancen bekannt ist, sie vielleicht noch nie davon gehört haben und einfach neugierig sind. Da sie keine Ahnung von historischem Kochen, der Mode oder Waffen haben, stellen sie eine Frage zu dem Thema, die für sie einen Einstieg bietet.
Man sieht zum Beispiel, wie jemand über dem Feuer kocht. Besucher denken nun häufig, man wäre ein vom Veranstalter engagierter Schauspieler oder Schausteller, der einem Skript folgt, das die Veranstaltung vorgibt und können sich nicht vorstellen, dass man da wirklich kocht. Aber irgendwie sieht das Essen ja echt aus. Hm. Und dann fragen sie: „Essen Sie das wirklich?“

Neben dem Sammeln „dummer“ Fragen, kommt noch das Sammeln der „passenden“ Antworten dazu. Viele finden es dann superlustig zu entgegnen „Nein, das kippen wir weg und holen uns gleich etwas bei der Frittenbude.“ Ist der Besucher dann weg, kann man sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und bestätigen, wie man es dem „blöden Touri“ doch wieder gezeigt hat.

Wir finden das allerdings schade, denn viele suchen einfach nur einen Gesprächseinstieg.

Besucher wissen meist schlichtweg nicht, was wir da tun. Warum sie also nicht darüber aufklären? Zugegeben, die oben beschriebenen Antworten werden häufig in der sogenannten Marktszene gegeben. Engagierte historische Darsteller suchen eher das Gespräch mit den Besuchern als sich über sie lustig zu machen. Dies reiht sich in die Liste der Gründe ein, aus denen wir nicht mehr auf Mittelaltermärkte gehen, denn der Kontakt mit dem Besucher gilt dort oftmals als lästig (natürlich gibt es auch Ausnahmen).

Aber wie also auf eine seltsam anmutende Frage reagiere ? Zugegeben, es ist nicht immer einfach. Bei der Essensfrage könnte man antworten: „Das ist das Gericht XXX, welches nach einem Rezept aus den XY. Jahrhundert ist. Glücklicherweise wurde eine Rezeptsammlung aus XYZ überliefert und wir können so rekonstruieren, was die Menschen im XY. Jahrhundert gegessen haben. Die Zutaten sind XXX, YYY und ZZZ.“

Schon hat man eine Basis für den Besucher geschaffen, auf weitere Aspekte des historischen Kochens einzugehen.

Manchmal ist es jedoch schwieriger, zum Beispiel wenn Eltern ihren Kindern verkünden: „Guck mal Janina, da sind die Burgfräulein! Die haben den ganzen Tag in der Burg gesessen und gewartet, dass der Ritter Abends nach Hause kam.“

Da können die passenden Worte schonmal fehlen. Nicht, weil die Aussage des Besuchers so „dumm“ ist, sondern, weil man die Eltern nicht bloßstellen möchte. Denn viele Menschen fühlen sich brüskiert, wenn man sie berichtigt.

Bewährt hat es sich in diesem Fall mit einem Lächeln zu reagieren und zu sagen: „Ach, so gut haben wir es nicht. Leider sind wir nur Handwerker und müssen den ganzen Tag arbeiten um uns unser Geld zu verdienen.“ Oft kann man damit das Interesse wecken und es folgt eine Anschlussfrage („Ach so? Durften Frauen denn überhaupt arbeiten?“)

Warum auch uns manchmal eine gute Antwort fehlt und dann das Motto „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“ gilt, könnt ihr hier lesen.

Wir verstehen unser Hobby als Gelegenheit zur Vermittlung von Wissen und Richtigstellung über das Bild des Mittelalters. Wird uns eine Frage gestellt, dann bietet uns das die Möglichkeit, Missverständnisse und Vorurteile über unsere geliebte Epoche aus der Welt zu schaffen oder mit einer interessierten Person einfach ein nettes Gespräch zu führen. Wer das lästig findet – oder vielleicht sogar mit dem Brustton der Überzeugung verkündet, dass er keine Lust hat, sich wie ein böser A-Papst intensiv mit dem Mittelalter auseinanderzusetzen – der sollte lieber nicht öffentlich seinem Hobby frönen.

– Laura & Ann

Bildnachweis: Queen Mary Apocalypse, 14th century, London. British Library, Royal MS 19 B XV fol. 30v