Ich hab den Dreh raus – Teil 2 – den Rocken bestücken

Vor einiger Zeit habe ich einen Blogpost zum mittelalterlichen Spinnen mit der Handspindel geschrieben. Darin habe ich beschrieben, dass im im Hoch- und Spätmittelalter ausschließlich von einem Hand- bzw. Standrocken gesponnen wurde, aber nicht aus der Hand heraus.

Viele von euch haben mich daraufhin gefragt, wie man den Rocken richtig mit Spinnfasern bestückt und ich möchte euch heute nun die Hintergründe zum mittelalterlichen Rocken aufzeigen und das ganze in einem bebilderten Tutorial zeigen.

Sehen wir uns Abbildungen von mittelalterlichen Rocken an, sehen wir, dass diese sehr unterschiedlich aussehen können.

Mal haben wir eine konische, fast kugelige Form wie hier:

 

Dann wiederum gibt es beinahe dreieckige Formen wie hier:

Oder aber fast gerade Formen:

Nicht nur die Formen der Spinnfasern auf dem Rocken, sondern auch die Befestigungen unterscheiden sich deutlich. Mal sehen wie eindeutig, wie ein Band „spiralförmig“ um den Rocken geschwungen wird, mal sehen wie eine Art „Netz“ und manchmal sieht man gar nicht, wie die Fasern am Rocken befestigt werden. Weitere Abbildungen findet ihr auf meinem Pinterest Board.

Da mir bei meiner Recherche auch keinerlei schriftliche Quellen zur Bestückung des Rockens (oder gar dem Spinnprozess) untergekommen sind, muss man hier viel interpretieren bzw. ausprobieren. (Dies bedeutet allerdings nicht, dass es keine Quellen über das Spinnen im Mittelalter gibt, lediglich kenne ich keine „Anleitungen“. Quellen, die das Spinnen erwähnen, den Lohn und die Organisation von Spinnerinnen beschreiben und so weiter gibt es häufig).

Tutorial

Nun möchte ich zwei Möglichkeiten vorstellen, den Rocken zu bestücken:

Rocken mit Flachs

Da ich am Wochenende auf einer Spinnveranstaltung war, hatte ich das Glück, dass eine sehr nette Teilnehmerin mir das bestücken eines Rockens mit Flachs zeigte. Sie selber lernte diese Methode von einer alten Dame in einem Handarbeitsmuseum, die dies so in ihrer Jugend gelernt hatte. Dies ist nun nicht unbedingt eine Methode wie sie im Mittelalter gemacht wurde, da das Endergebnis aber sehr nah an die bildlichen Quellen herankommt, kann man annehmen, dass es so oder so ähnlich auch bereits im Mittelalter gemacht wurde.

Schritt 1: Den Flachs ausbreiten

Bevor man den Flachs auf den Rocken ziehen kann, muss man ihn vorbereiten. Das untere Ende des Flaches (also das mit der Wurzel) sollte an die Oberseite des Rockens kommen. Das Wurzelende kann man oft gut daran erkennen, dass es etwas „schrumpelig“ und nicht besonders glatt und gerade ist. Die Oberseite ist meistens glatt und gerade.

Nun teilt man den Flachs in dünnen Strähnen ab. Das Wurzelende „faltet“ man 2-3 Mal in der Hand, so dass sich die Länge des Stranges etwas verkürzt. Dies ist wichtig, damit der Flachs nachher nicht zu viel Platz auf dem Rocken einnimmt, und sich noch gut verarbeiten lässt. Da der Flachs recht steif ist halten diese Falten recht gut wenn man sie mit der Hand fest zusammenpresst. Das Wurzelende wird später am oberen Ende des Rockens befestigt.

Wenn man möchte kann man das Ganze im Sitzen machen und das gefaltete Ende des Flaches in den Gürtel oder eine Schürze stecken. Aber Obacht: Das ist eine ganz schöne Sauerei und die Kleidung ist nachher voller Faserrückstände. Wenn man möchte kann man zum Beispiel auch vorher ein großes Leinentuch über den Schoß breiten.

Man kann das ganze aber auch direkt auf dem Boden machen. Wenn man es Zuhause macht empfielt es sich ebenfalls ein Tuch auf dem Boden zulegen, damit es nicht so dreckig wird.

Die Oberseite des Flaches wird nun „netzartig“ ausgebreitet. Das heißt, man zieht die Fasern auseinander und breitet sie auf dem Untergrund aus, sodass die Fasern schön locker sind und nicht mehr fest aneinander gepresst sind.

Danach nimmt man eine neue Strähne und legt das gefaltete Ende direkt an die erste Strähne an. Der Rest des Stranges wird wieder netzartig ausgebreitet und sollte den ersten Strang überlappen, ähnlich wie Dachziegel.

Mit dieser Methode fährt man immer weiter fort. Wenn man sehr viel Flachs hat, kann man auch mehrere Schichten übereinander legen. Ich habe bei meinem Versuch ca 3 Schichten übereinander gelegt auf einer Breite von etwas 50cm.

Schritt 2: Den Rocken bestücken

Ist der Flachs fertig ausgebreitet kann er endlich auf den Rocken. Wenn man sich die Fasern in den Gürtel bzw. Schürze gesteckt hat, kann man diese nun abnehmen und auf den Boden legen. Dann legt man das obere Ende des Rockens auf das gefältelte Wurzelende. Diese Enden werden nun um den Rocken gewickelt und festgebunden. Die netzartig ausgebreitete Oberseite sollte möglichst noch nicht eingeschlagen werden. Ich habe einen Rocken von Katrin Kania mit einem langen Leinenband. Dieses habe ich ca 2-3 Mal fest um die gefalteten Enden gewickelt und dann mit einer Nadel festgesteckt. Den Rest des Leinenbandes habe dann erstmal aus dem Weg gelegt.

Nun kommt der „schwierige“ Part: Da Flachs meist sehr lange Fasern haben, muss man diese nun nach Innen einschlagen. Die netzartige Unterseite wird nun also nach innen gefaltet. Wie weit hängt von der Länge eurer Fasern ab: Probiert es einfach aus, wie es für euch passt.) Mein Rocken war zuletzt zu ca 1/3 mit Flach bestückt, sodass 2/3 des Stabes noch frei waren um ihm daran festzuhalten. Was für euch am besten funktioniert müsst ihr einfach ausprobieren. :

Ich habe meine Flachsfastern in etwas 20 cm umgeschlagen. Dann wickelt man sie recht locker (aber nicht so locker, dass das eingeschlagene Ende wieder herausfällt) um den Rockenstab. Damit das Ganze hält, habe ich dann das restliche Leinenband meines Rockens auch recht locker um die Flachsfasern geschlungen und zwar in etwa kreuzweise, wie man es auch auf vielen Abbildungen sieht.

Dies ist allerdings nur meine Lösung, ihr könnt das ganze auch einfach mit einem Stück Schnur oder einem Lederband oder was auch immer euch gerade einfällt machen. Probiert einfach aus was gut funktioniert.

Fertig ist der Flachsrocken. 🙂

Rocken mit Wolle

Einen Rocken mit Wolle zu bestücken ist wesentlich einfacher als mit Flachs. Da ich hier auf die Methode von Katrin Kania schwöre, möchte ich an dieser Stelle auch ihr Tutorial verlinken. Diese Methode hat sich für mich sehr gut bewährt und stets zu meiner Zufriedenheit funktioniert.