Outfit of the Day – Der Frauenmantel

Das heutige Outfit of the Day ist ein lang ersehntes Accessoire, auf welches ich schon viele Jahre immer wieder schiele: Ein geknöpfter Frauenmantel.

Der Mantel

Da ich mich noch nie mit dem Look eines Tasselmantels anfreunden konnte, und ich diesen auch eher adeligen Darstellungen zuordnen würde, habe ich mich lange um das Thema Mantel gedrückt.

Eine sogenannte Cappa – nicht wirklich nachweisbar für Frauen im späten 13. Jahrhundert, und wenn man sie sieht immer eher im Kontext von arbeitenden Personen.

Nuschenmantel oder Heuke – zu unpraktisch und fummelig.

Ein geknöpfter Mantel – schick, praktisch und natürlich mit dem neuesten modischen Accessoire versehen, das im späten 13. Jahrhundert aufkam: Knöpfen eben.

Zugegeben, so ein Mantel scheint im ausgehenden 13. Jahrhundert ein sehr modisches und ‚fortschrittliches Kleidungsstück‘ zu sein, man sieht ihn auf den Quellen noch nicht so häufig. Da ich ja aber auch schon immer einen Hang zu den sehr ‚fashion-forward‘ Looks hatte (meine Bürgerin ist schließlich nicht gerade arm und bekommt in der Stadt immer die neuesten Modetrends mit) und ich mich schon vor vielen Jahren in diesen Mantel so verliebt habe, dachte ich, dass nun die Zeit gekommen ist, ihn endlich anzufertigen.

Meine Variante ist aus krapproter Wolle, gefüttert mit einer etwas leichteren, gelben Wolle. Die Knöpfe sind aus vergoldetem Messing und beruhen auf einem Fund aus London. Die Knopflöcher sind mit rotem Seidengarn genäht.

Nun aber zu den Quellen.

Quellen für den Mantel

Kluge Jungfrau, Freiburger Münster, ca 1270-1291 (ältere Aufnahme)

Dieselbe Figur, als Farbaufnahme und mit (neuer) Bemalung)

Heilige Katharina, Elisabeth Kirche in Marburg, ca 1290

Tugend & Laster, Straßburger Münster, ca 1277-1298

Kluge Jungfrau, Straßburger Münster, ca 1277-1298 (leider finde ich kein besseres Bild von ihr)

Weltchronik Bistum Passau, ca 1300 (zugegeben, man sieht den Verschluss hier nicht richtig, es könnte auch ein Verschluss mit einem Fürspan o.ä. sein. Der Look zu der geknöpften Variante ist aber ähnlich.)

Grab von Gertrud von Altenberg, ca 1334

Der Rest des Outfits

Unter dem Mantel trage ich ein Kleid aus mit Waid gefärbter Wolle. Quellen und Hintergründe für diese Art von Kleidern habe ich bereits in diesem Blogpost beschrieben.

Der Gürtel ist nach einem Fund aus Schleswig (gefunden in Ausgrabungen in Schleswig, Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig – Futterale, Riemen, Taschen und andere Objekte, Christiane Schnack, Wacholtz Verlag, 1998) gefertigt. Er besteht aus mit Eisenoxyd gefäbrtem Leder und wurde mit rotem und blauen Seidengarn bestickt. Das Futter des Gürtels besteht aus blauer Seide, die Schnalle und das Riemenende aus Bronze. (Das Gürtelblech und Riemenende wurden von uns selbst graviert nach einem Vorbild aus den London Finds (Dress Accessories: Medieval Finds from Excavations in London, Geoff Egan, Boydell Press, 2013).

Der Beutel ist handbestickt mit pflanzlich gefärbtem Seidengarn und wurde nach einem Muster eines gefundenen Beutels aus Sens in Frankreich (13. Jahrhundert) gefertigt.

Die Schuhe sind ein häufig gefundener Schlupfschuh mit seitlicher Öffnung, das besondere hierbei ist das Durchbruchsmuster auf der Oberseite. Gefunden wurden auch diese in Schleswig (Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig: Ausgrabung Schild 1971-1975, Christiane Schnack, Wacholtz Verlag, 1992)

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